Traumafolge: Emotionale Flashbacks

„Ich werde einfach übergangen!“ Die Frau mittleren Alters, die wegen einer Art Burnout-Symptomatik bei mir ist, berichtet, dass ihr dies am Arbeitsplatz und im Privatleben immer wieder passiert. Die Familie organisiert ein Treffen – der Termin ist nicht mit ihr abgeklärt, sie muss eigene Termine verschieben oder absagen, wenn sie teilnehmen und dazugehören möchte. Bei der Arbeit werden Fristen gesetzt, ohne sie zu fragen und sie steht hoch unter Druck. Ihr Chef sagt dann: „Jetzt schnappen Sie wieder ein“. Wie reagiert sie darauf? Sie reklamiert doch sicher oder stellt klar, dass das nicht geht?

Sie tut sich schwer, überhaupt zu reagieren. Sagt nichts, ist erstmal handlungsunfähig. Ein paar Mal – im privaten Bereich – ist sie in solch einem Fall explodiert. Hinterher hat sie sich noch schlechter gefühlt, weil das natürlich die falsche Person traf.

Irgendwie passen die Anlässe nicht zu den Reaktionen. Das sieht sie selbst, versteht aber nicht, warum das so ist. Und warum sie überhaupt so oft übergangen wird oder sich übergangen fühlt (denn manchmal war auf Nachfrage ein guter Grund da, warum nicht alles abgeklärt wurde).

Wir suchen nach dem Gefühl. Was erlebt sie, wenn solch eine Situation eintrifft? Es fällt ihr erneut schwer, das in Worte zu fassen. Am ehesten so: „ich breche innerlich irgendwie zusammen“. Ich frage sie, ob sie ein Gefühl des Kontrollverlustes erlebt und eine Art innerlichen Erstarrens. Sie schaut mir in die Augen: „ja, genau! Woher wissen Sie das?“

Die Reaktion ist aus der Traumaforschung bekannt, wenn es um Schocktraumata geht. Der Soldat, der aus dem Kriegseinsatz heimkehrt, reagiert auf einen harmlosen Trigger (zufallende Tür, ein bestimmter Geruch, wenn er eng zwischen Menschen steht) und erlebt ein sogenanntes Flashback: Er ist dann mit seinem Erleben in der Auslöser-Situation und nicht mehr im hier und jetzt. Also: Krieg! Lebensgefahr! Kalter Schweiß, nackte Angst…

Der Grund ist ein „Einfrieren“, weil er in der Auslösesituation weder kämpfen noch flüchten konnte, was die „gesunde“ Reaktion gewesen wäre. Das Einfrieren – ein Notfallprogramm des Gehirns, eine Art Totstellreflex – sorgt dafür, dass das Erleben an der falschen Stelle gespeichert wird. Nicht in der Vergangenheit, sondern es bleibt quasi im aktuellen Erleben stecken und stört, wenn es angetriggert wird.

Und jetzt zu meiner Klientin: Ihr passiert auf emotionaler Ebene etwas Ähnliches. Alte Erfahrungen stören das aktuelle Erleben, weil sie nicht korrekt abgespeichert wurden. Ich erkläre ihr das und frage sie, ob sie eine Idee hat, was das sein könnte. Eine schwierige Frage, sie denkt nach und kann wieder kaum Worte finden. „Also, meine Mutter, die ist keine Mutter. Die hat mich nie geliebt. Manchmal treffen wir uns zufällig beim Einkaufen, da geht sie einfach an mir vorbei, obwohl sie mich gesehen hat…“ War das schon immer so? „Ja, irgendwie schon. Früher bin ich dann immer hinter ihr hergelaufen, aber heute mache ich das nicht mehr“

Die Probleme beim Erzählen können damit zu tun haben, dass das Erleben schon so alt ist. Ein Baby hat keine Worte, aber seine Seele und sein Körper speichern das Erlebte und melden sich dann immer wieder zu Wort. Ein Baby versucht, eine Beziehung zu seiner Mutter herzustellen. Gelingt dies nicht, bemüht sich das Baby noch mehr. Denn wenn die Mutter sich nicht kümmert, besteht aus der Sicht des Kindes akute Lebensgefahr. Sie sei, so erzählt sie, ein sehr angepasstes Kind gewesen. Hätte immer versucht, für Wohlverhalten mal ein Lob zu bekommen. Vom getrennt lebenden Vater hätte sie das auch erhalten. Am schlimmsten war es für sie immer, wenn sie beim Vater war und von der Mutter wieder abgeholt wurde.

Wir haben eine Spur. Mit MindTV kann ich mit ihr das Baby besuchen gehen, sie kann der Kleinen ganz viel Fürsorge, Sicherheit und Liebe geben. Sie sagt dem Baby: „Wir überleben das, wir machen das richtig gut. Trotzdem!“ Die Kleine, die lieber beim Vater bleiben möchte, findet für sich eine Lösung: Sie lässt den verletzten Teil von sich einfach beim Vater in Sicherheit. Sie lässt diesen Teil im Garten auf der Schaukel. Der starke Teil geht mit der Mutter und freut sich auf den nächsten Besuch beim Vater.

Wir gehen in die Situation auf der Arbeit. Wie geht es ihr dort? Sie ist nicht mehr starr. Sie sagt ihrem Chef in aller Ruhe: „Sie haben mich gar nicht gefragt, ob ich das so hinbekomme. Wenn das zu diesem Zeitpunkt fertig sein muss, muss ich eine andere Aufgabe liegen lassen oder abgeben.“ In ihrer Vorstellung erkennt der Chef, dass er etwas übersehen hat und findet einen Weg mit ihr. So kann es gehen.

Natürlich ist damit noch nicht alles gelöst. Es wird immer mal wieder zu Erstarren kommen. Wichtig ist, dass sie dies erkennt und sich nicht noch selbst unter Druck setzt. Sie kann sich selbst innerlich Zeit und Abstand zum Geschehen erlauben und etwas später noch reagieren. Sie kann ein „explodieren“ gelassener einschätzen und – wenn sie dies kann und will - nachher auf die Menschen zugehen und erklären, was da passiert ist. Sie kann sich selbst vergeben, wenn sie „gefühlt falsch“ reagiert und liebevoll mit diesem verletzten Teil in sich umgehen.

Ich begleite sie sehr gerne weiter auf diesem Weg.


Heilpraktikerin für
Psychotherapie

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