Ist Hilfe suchen und annehmen ein Zeichen von Schwäche?

Nichts ging mehr. Im Kletterpark war ich mit ein paar Jugendlichen losgeklettert. Ich liebe klettern! Fühle ich mich doch in meine Kindheit versetzt...
Und ich war stolz, wie gut ich vorankam. Ich kann mich - Achtsamkeitstechniken sei Dank - ganz gut focussieren. Auf den nächsten Schritt, auf das Gefühl, trotz Höhe gut gesichert zu sein. Und dann, beim letzten und schwierigsten Parcours ist es passiert: Ich ging eine Überquerung falsch an und hing im Wortsinn "in den Seilen". Wollte ich mich auf die sichere Plattform hochziehen, zog mich die Seilsicherung zurück. Sowas macht man dreimal, viermal, und schließlich mit wachsender Verzweiflung auch noch ein fünftes Mal. Ich bekam mein Knie nicht auf die Plattform, so sehr ich auch kämpfte. Irgenwann hing ich mit Blick in die Baumkronen waagerecht wie ein Käfer auf dem Rücken da.

Kurzer Check:
Hast du Angst? Nein, die Sicherung hält. Und jetzt? Etwas, was bei der Einweisung erklärt wurde und was ich so tatsächlich noch nie getan hatte: Um Hilfe rufen!
Es hat mich wirklich Überwindung gekostet. Zeitgleich liefen mehrere Stimmen in meinem Inneren zu Hochform auf:
Wie sieht das denn blofl von unten aus? Du alter Klops so auf dem Rücken?
Und: Wow, ist der Himmel blau! Wenn ich nicht in so einer scheiß Situation wäre, könnte ich das glatt genießen...
Und noch eine Stimme: Das wird Geläster geben von deinen Freunden... da musst du jetzt durch... Schließlich: Hei, hier gibt es was zu lernen! Alles durcheinander.
Diese Stimmen Übertönten gekonnt die ganz leise Stimme im Hinterkopf: Du hast keine Kraft mehr, du musst Hilfe annehmen! Dieses Gefühl, wenn die Hand kraftlos wird und du irgendwann nur noch HÄNGST... sowas sieht man sonst nur im Film, bevor der Schurke in die Schlucht stürzt...

Um es kurz zu machen: Sehr rasch kam ein netter, durchtrainierter junger Mann im Alter meiner Söhne und seilte mich ab. Ich riss ein paar Sprüche, meine Freunde waren erst besorgt und dann erwartungsgemäß ein Wenig schadenfroh, es war auszuhalten (und ich selbst hätte diese Vorlage niemals ungenutzt gelassen!)

Die folgenden Nächte habe ich mehrfach von der Klippen-Situation geträumt. Nein, beileibe kein Trauma, nur eine kleine Verarbeitungsphase. Und: natürlich werde ich wieder klettern gehen!!!

Woran ich hängen bleibe ist die Frage: Darfst du Hilfe annehmen? Darfst du dir selbst eingestehen, dass du Hilfe brauchst? Warum ist das nur so schwer?

In meine Praxis kommen so viele Menschen, die seeehr lange warten. Bis ihnen, wie mir im Kletterpark, fast das letzte Fitzelchen Kraft abhanden gekommen ist. Die Freude und manchmal sogar der Lebensmut. Und die es erst bemerken, wenn nichts mehr geht. Wenn der Alltag nicht mehr funktioniert und auch sonst nicht mehr so viel...

Manchmal werde ich gefragt: Wann soll ich denn um Hilfe bitten? Erst wenn nichts mehr geht? Oder wenn die Komfortzone spürbar kleiner wird? Bin ich ein Weichei, wenn ich das tue?

Leider gibt es keine allgemein gültige Antwort darauf. Aber ein klares Statement: Du musst es nicht alleine schaffen! Und auch mit meiner Hilfe ist es nicht meine Lösung - es ist und bleibt dein Leben, dein Problem und deine Art, damit umzugehen! Als Therapeutin bin ich immer nur die Hebamme für deinen Prozess, der Fremdenführer in deiner Welt, der Katalysator in deinem Auto: Ich helfe, strukturiere, frage - aber es ist und bleibt dein Baby, deine Welt, dein Auto!

Was du tun musst, ist dich selbst wahrzunehmen: Da stimmt was nicht. Ich möchte es anders haben. Ich bin bereit, daran zu arbeiten. Wenn du mit dieser Haltung Hilfe suchst, wird es gut werden. Auf deine Weise.

Ich gehe nachher wieder raus aus deiner Welt. Und sage dir: Wenn es besser wird, dann hast du es selbst besser gemacht!

Wie heißt nochmal das alte Sprichwort? Hinfallen darfst du. Aber nicht liegenbleiben. Ich bin die, die dir aufhilft und dir deine Krone reicht, damit du sie selbst abstauben und wieder aufsetzen kannst.

Heilpraktikerin für
Psychotherapie

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32479 Hille
Tel. 05703 5201870
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